Interview mit der Psychologin Dr. Dagmar Zidek

Bei großen Katastrophen wie zum Beispiel beim Seilbahnunglück in Kaprun gibt's hierzulande zumindest eines: Institutionalisierte Hilfestellung für die Hinterbliebenen der Opfer. Bei den, für die Einzelnen nicht minder großen, alltäglichen Katastrophen werden die Trauernden hingegen zumeist allein gelassen.


Nicht so bei der Bestattung Graz. Hier hat man schon früh erkannt, dass den Trauernden mit der Unterstützung bei der Abwicklung der Bestattungs-modalitäten zwar in einem ersten Schritt geholfen werden kann, viele der Angehörigen darüber hinaus jedoch dringend jemanden bräuchten, mit dem sie einfach nur reden können. Seit Februar 2001 gibt es daher bei der Bestattung Graz eine offene Gruppe, in der jeden Dienstag unter der Leitung von Dr. med. univ. Dagmar-M. Zidek gemeinsam Trauerarbeit geleistet wird, kostenlos und anonym.

 

"Die Gruppengrößen sind recht unterschiedlich, meist kommen zwischen drei und sieben Personen", so Dr. Dagmar Zidek. Und sie alle reden, zum Beispiel von den Schuldgefühlen, unter denen die Trauernden häufig leiden: "Wäre ich doch...", "Hätte ich doch damals nicht..." - oder davon, dass unsere leistungsorientierte Gesellschaft meint, der Betroffene müsste drei Tage nach dem Begräbnis wieder "funktionieren" wie im Alltag. "Keiner kommt da allein drüber", weiß Dr. Dagmar Zidek, "und es hilft, über Gemeinsamkeiten zu reden".

 

So bleibt es nicht allein beim Gespräch in der Gruppe: "Die Leute gehen nachher oft gemeinsam raus, reden privat weiter und können so auch einander stützen." Spontan hat man sogar begonnen, eine Liste zu schreiben - für diejenigen, die Weihnachten und Silvester gemeinsam wegfahren möchten, um gerade an diesen Tagen der Einsamkeit zu entfliehen. Diese Eigeninitiative freut  Dr. Zidek besonders: "Wesentlich ist, dass unsere Gespräche hier weiter wirken."


Wie ist Ihr Kontakt zur Bestattung Graz entstanden, der zur Gründung dieser offenen Gruppe geführt hat?

 

Zidek: Mit einem Mitarbeiter der Bestattung - er ist zugleich Obmann des Hundeclubs GAV - kam ich im Hundekurs ins Gespräch. Ich erzählte ihm von der tiergestützten Psychotherapie, die ich anbiete - mein "Mitarbeiter" Akim von der Schlossruine hat mittlerweile nicht nur die Schutzhundeprüfung, sondern auch in Wien die Ausbildung zum Therapiehund absolviert. Im Gegenzug erzählte er mir von den Schwierigkeiten seiner Arbeit - stets mit Menschen in Ausnahmesituationen zu tun zu haben, und ohne die Möglichkeit, Hilfe anbieten zu können. So wurde die Idee entwickelt, mit den Vorgesetzten besprochen, und dann war es soweit: die Bestattung Graz entschloss sich, die Gruppe ins Leben zu rufen.

 

Was ist für Sie die wichtigste Hilfestellung, die sie den Trauernden geben können?

 

Zidek: Grundsätzlich haben wir hier wenig Kultur in der Auseinandersetzung mit dem Tod. Verdrängung ist die gängigste Strategie, mit der Endlichkeit umzugehen - das rächt sich. Andere Kulturen, die über Trauerrituale verfügen und den Gedanken an Tod und Endlichkeit zulassen, haben dieses Problem nicht. In der Gruppe möchte ich die Menschen dahin führen, dass es richtig und normal ist, ihre Trauer zu leben - und Tipps geben, wie sie sie durchleben und ausheilen können.


Kontakt:

Dr. Dagmar-M. Zidek,

Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Neuropsychiatrie des Kinder- und Jugendalters

Hermann-Aust-Gasse 3

8010 Graz

Tel.: +43 316 287 273



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