Bereits in der Ur- und Frühgeschichte sind erste Siedlungen am Schlossberg nachweisbar. Von Beginn an, hat der Berg eine strategische Schlüsselstellung eingenommen. Im Schutz der Burg und an der Lebensader der Mur errichteten die Menschen diejenige Stadt, die schon bald zum Mittelpunkt des Landes wurde.
Der Name Graz leitet sich von der ersten Burg auf dem Berg ab: Gradec ist slawisch und bedeutet kleine Burg. Im Fränkischen Reich ist die Wehranlage ein bedeutender Brückenkopf Richtung Ungarn. Als Adelssitz wird später die frühmittelalterliche Burg immer weiter ausgebaut bis schließlich auf dem obersten Plateau ein Schloss entsteht, der sogenannte Palas. Während der stetigen Ausbreitung des Osmanischen Reiches und der wachsenden Bedrohung durch das türkische Heer erhält der italienische Festungsbaumeister Domenico D`allio den Auftrag, eine Festung mit zehn Basteien zu errichten. Die Burg wird mit der Stadt zum stärksten Bollwerk Innerösterreichs ausgebaut.
So entstehen im 16. und 17. Jahrhundert großartige Bauwerke - darunter die Zisterne (eine der größten ihrer Art), der 94 Meter tiefe "Türkenbrunnen" und die Stallbastei. Nicht wenige bezahlen die gefährliche Arbeit an den Bauten mit ihrem Leben.
Dient die Festung vorerst auch als Gefängnis für politische Gefangene adeliger Herkunft, so entwickelt sich die Anlage im 18. Jahrhundert zum zweitgrößten Staatsgefängnis der Habsburgischen Länder neben dem Brünner Spielberg. Eine Tatsache, der oft zu wenig Beachtung geschenkt wird.
Obwohl die Festung bereits jahrhundertelang zum Schutz vor Überfällen ge- und ausgebaut wurde, hat sich die Anlage lange Zeit nicht bewähren müssen. Das ändert sich im Jahr 1809 mit dem Angriff der napoleonischen Truppen. Trotz der erfolgreichen Verteidigung unter Major Hackher muss die Festung nach dem Friedensabkommen mit Napoleon geschleift werden. Den Grazern gelingt es, ihr Wahrzeichen - den Uhrturm - und den Glockenturm vor der Zerstörung zu retten.
Ein neues Kapitel beginnt, als Freiherr von Welden in den Ruinen der Festung einen romantischen Park anlegen lässt. Für das ehrgeizige Projekt werden in mühevoller Arbeit, tausende Karren Erde auf den kargen Fels geschüttet. Es ist wie ein Wunder, dass auf dieser dünnen Humusschicht ein Wald gewachsen ist. Kunstvoll angelegte Gärten, Weinreben und Lokale wie das Schweizer Haus machen den Schlossberg nun zu einem attraktiven Ausflugsziel.
Während des 2. Weltkriegs soll der Schlossberg den Grazern noch einmal als Zufluchtstätte vor Angriffen dienen. So wird unterirdisch ein fünf Kilometer weit verzweigter Luftschutzstollen angelegt, der bis zu 50.000 Menschen Schutz bietet.
Seit dem Kulturhauptstadtjahr 2003 ist der Hauptstollen begehbar und mit der Veranstaltungshalle "Dom im Berg" in beeindruckender Weise genutzt.Die Stadt Graz besitzt mit dem Schlossberg ein einmaliges kulturelles Erbe, dessen einzigartiger Charakter nur durch das Wissen um die Geschichte des Berges und seiner Bauwerke begreifbar wird.
Quelle: 3sat-Programminfo
Fotos: 3sat
Credits: Ein Film von Ulrike und Roland Berger, Österreich 2011
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