Interview Ing. Sabine Kreuter

Interview mit Projektmanagerin Sabine Kreuter

Mimi fettete einst Schrauben, Sabine baut heute für die Linien. Frauen sind in technischen Bereichen nach wie vor in der Minderheit und werden händeringend gesucht. Nicht so bei den Graz Linien, wo Sabine Kreuter tagtäglich ihren Mann steht und die größten Bauprojekte der Stadt managt.

 

Ein Gespräch über baggerfahrende Puppen, die Arbeit in einer Männerdomäne und das Mathelernen am Wickeltisch.


Sabine, irgendwie kann ich mir dich ohne Helm gar nicht mehr vorstellen. Wie kommt es eigentlich, dass sich dieses Bild so eingeprägt hat und du heute an Projekten wie der Nahverkehrsdrehscheibe maßgeblich beteiligt bist?

Ich habe die Technik sprichwörtlich mit der Muttermilch aufgesaugt. Meine Mama war bei Siemens und war an verschiedenen Standorten in Österreich beschäftigt. Ich war also schon als Kleinkind auf Montage und permanent mit Technik umgegeben.


Also keine Puppen, sondern Elektrobaukästen?


Beides. Mein Lieblingssatz als Kind war: „Mimi fettet Schrauben“! Mimi war meine Puppe und die habe ich nach dem Bürsten und Anziehen am Bagger fahren lassen.

 

Die HTL für Tiefbau war mit 15 Jahren also ein logischer Schritt?

Ob logisch oder nicht, darüber habe ich nie nachgedacht. Das hat mich einfach interessiert und ich habe es gemacht!


Als einziges Mädchen in der Klasse?

Wir waren zwei Mädchen in einer Klasse mit 42 Schülern. Wobei das Geschlecht keinen Unterschied gemacht hat, da hat bei den Lehrern echt nur die Leistung gezählt.

 

Nach zahlreichen Stationen in der Privatwirtschaft bist du 2005 in der Holding und somit wieder in einer Männerdomäne gelandet. Was sind die Unterschiede in der Arbeit mit Männern?

Ihr tickt einfach anders.

 

Bitte?

Ich glaube, dass es mit Männern einfacher ist, zu arbeiten. Die Arbeit ist viel lösungsorientierter und es gibt weniger persönliche Eitelkeiten und Ablenkungen.



 

Du bist selbst Mutter einer kleinen Tochter. Kriegt sie auch schon etwas von Technik mit?

Bewusst leite ich meine Tochter in keine Richtung, sie soll selbst entscheiden und hat ganz andere, kindliche Pläne. Aber da auch ihr Papa Techniker ist, kriegt sie das berufliche Thema natürlich von Anfang an in allen Lebenssituationen mit.



Zum Beispiel?

Durch unsere damalige familiäre und berufliche Situation wurde Katharina praktisch am Baustellentisch gewickelt. Und das Zählen hat sie auf einem Bewehrungssplan gelernt. (Anm: Ein Bewehrungsplan bildet zeichnerisch im Massstab die zumeist komplexe stählerne Stütz- und Verstärkungskonstruktion in Stahl- und Spannbetonbauteilen ab.)

 


Du bist ja mit Bauprojekten wie der Remise oder der Nahverkehrsdrehscheibe im Einsatz. Bleibt da Zeit für die Familie?

Klar habe ich oft am Abend Baubesprechungen und wenig Zeit für meine Tochter. Aber ich denke, dass ich die Zeit, die ich habe, optimal mit ihr nutzen kann. Und ich bin davon überzeugt, dass sie spürt, dass es mir gut geht und ich gebe diese Zufriedenheit an sie weiter.


Zur Person

Sabine Kreuter leitet seit Februar 2010 die Stabsstelle Projektmanagement/ Infrastruktur der Graz Linien und ist mit der Umsetzung der Nahverkehrsdrehscheibe Graz Hauptbahnhof sowie Erweiterung und Neubau der Straßenbahnhauptwerkstätte in der Steyrergasse betraut. Die Mutter einer neunjährigen Tochter war zuvor fünf Jahre lang für den Bereich Wasserwirtschaft der Holding Graz in der Planung tätig und hat bereits dort ihre Management-Qualitäten unter Beweis gestellt.


Interview: Mag. Gerald Pichler

Foto: Holding Graz


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