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Das Vin­zi­Nest ist zu­rück!

© Stadt Graz/Foto Fischer

Drei Jahre nach Projektbeginn hat das VinziNest seine Tore am alten Standort in der Grazer Maria-Stromberger-Gasse 14 wieder geöffnet. Für die VinziWerke findet damit eines der herausforderndsten Projekte seit dem Bestehen der Organisation einen Abschluss. Anlässlich der Wiedereröffnung wurden alle Unterstützer*innen, die die Generalsanierung ermöglicht haben, zu einer kleinen Feier eingeladen. Nun gilt es, die VinziWerke langfristig abzusichern.

Als Notschlafstelle für Armutsmigranten stellt das VinziNest seit 1992 eine Institution der Grazer Wohnungslosenhilfe dar. Zusammen mit dem VinziSchutz, dem Pendent für Frauen, kann es im Winter bis zu 120 Menschen täglich beherbergen. So kommen die Einrichtungen zusammen auf 16.000 bis 18.000 Nächtigungen im Jahr. Hinter den Zahlen stecken oft tragische menschliche Schicksale, die von gesundheitlichen und psychischen Erkrankungen, Diskriminierung und vererbter Armut geprägt sind.

Langjährige Planung. Im Laufe der Jahre wurde die Bausubstanz der Gebäude stark in Mitleidenschaft gezogen. Noch unter der Federführung von VinziWerke-Gründer Pfarrer Wolfgang Pucher trafen die VinziWerke 2022 die Entscheidung, die Einrichtung einer Generalsanierung zu unterziehen. Denn die Schlafplätze werden nach wie vor dringend gebraucht. Das Projekt wurde in den Jahren 2024 bis 2026 durchgeführt, die reinen Bauarbeiten dauerten rund 1,5 Jahre. In dieser Zeit zogen das VinziNest und VinziSchutz in ein Übergansquartier in Liebenau.

Dringend notwendig. „In über 30 Jahren Betrieb wurden nur kleinere und notwendige Renovierungsmaßnahmen in den Notschlafstellen vorgenommen. Dass eine Kernsanierung dringend notwendig war um die Gebäude vor dem Verfall zu bewahren, war unumstritten. Die VinziWerke hat dieses umfassende Projekt dennoch an den Rand der Kapazitäten gebracht. Ohne der signifikanten Beiträge von Land Steiermark, Stadt Graz, der Diözese Graz-Seckau sowie unserer Sponsor*innen hätten wir diese Maßnahmen nicht unternehmen können. Im Namen aller Menschen, die auch künftig einen sicheren und warmen Schlafplatz erhalten werden, möchte ich allen Beteiligten von Herzen danken“, unterstreicht VinziWerke-Obfrau Martina Schröck.

Finanzierung. Der Großteil der Finanzierung konnte durch Förderungen des Landes Steiermark (600.000 Euro), der Stadt Graz (400.000 Euro) und der Diözese Graz-Seckau (500.000 Euro) gesichert werden. Darüber hinaus wurden umfassende Sanierungs-Förderungen abgerufen: Landesförderung Umfassende Sanierung (571.000 Euro), Umweltsanierung über das Programm „NextGenerationEU“ (274.000 Euro). Weitere 400.000 Euro wurden aus den Rücklagen der VinziWerke aufgebracht. Der restliche Betrag konnte durch Sponsorings, mit der Holding Graz als Hauptsponsorin (90.000 Euro), und Spenden aufgestellt werden.

Spenden dringender denn je benötigt. Doch eine mangelhafte Bausubstanz, höhere und unerwartete Kosten haben das Projektbudget um einen schmerzhaften Betrag überschritten: Anstatt des zuletzt angenommenen Budgets in der Höhe von 2,9 Millionen Euro summieren sich die Kosten auf zumindest 3,8 Millionen Euro. „Damit sind nun auch die letzten unserer Reserven verbraucht und wir brauchen die Unterstützung von Spender*innen mehr denn je. Ich möchte diesen Anlass auch nutzen um alle Menschen zu bitten uns weiterhin zu unterstützen, damit wir die VinziWerke langfristig absichern können“, appelliert Martina Schröck.

Eröffnungsfeier. Das Interesse am wiedereröffneten VinziNest war groß. Im kleinen Rahmen wurde am Donnerstag, den 27. Mai 2026, die Wiederinbetriebnahme gefeiert. Unter den Gästen: Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom, Bürgermeisterin Elke Kahr, Gemeinderätinnen Zeynep Aygan-Romaner und Anna Slama, Weihbischof der Diözese Graz-Seckau Johannes Freitag, Vorstandsvorsitzender der Steiermärkischen Verwaltungssparkasse Gerhard Fabisch, Vorstandsvorsitzender der Holding Graz Gert Heigl, „Saubermacher“ Hans Roth, Geschäftsführer von Servus Abfall Harald Posch und Frank Dicker, Präsidentin der steirischen Vinzenzgemeinschaften Christine Koller und weitere.

Verbesserungen. Ein barrierefreier Zugang im Erdgeschoß, bessere Luftqualität durch eine zentrale Belüftungsanlage, ausreichend Nasszellen, Bodenheizung und neue Aufenthaltsräume zählen zu den Vorteilen, die für die VinziNest- und VinziSchutz-Bewohner*innen nun geschaffen wurden. Darüber hinaus musste vor allem bei der Bausubstanz, bei Elektroleitungen und Installationen und dem Dach nachgebessert werden: „Endlich können wir mit dem VinziNest eine Notschlafstelle anbieten, die den heutigen Standards entspricht und zumindest ein kleines Maß an Komfort für wohnungs- und obdachlose Menschen bietet“, freut sich VinziNest-Leiter Ingo Sommer.

Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom: „Mit der Wiedereröffnung der Notschlafstelle VinziNest wird ein wichtiges Zeichen der Menschlichkeit und des sozialen Zusammenhalts in der Steiermark gesetzt. Gerade in schwierigen Lebenssituationen braucht es Einrichtungen, die Menschen unbürokratisch helfen und ihnen Schutz sowie neue Perspektiven bieten. Als Land Steiermark ist es uns ein großes Anliegen, soziale Einrichtungen zu unterstützen, die tagtäglich wertvolle Arbeit für jene am Rand unserer Gesellschaft leisten. Mein Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den zahlreichen Ehrenamtlichen, die mit großem Engagement tagtäglich einen wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten.“

Bürgermeisterin Elke Kahr, die in ihrer Zuständigkeit für das Sozialressort Fördermittel bereitgestellt hat: „Mit dem VinziNest und dem VinziSchutz nehmen zwei ganz wichtige Einrichtungen nach einer umfassenden Sanierung wieder ihren Betrieb auf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten einen ganz wichtigen Beitrag, dass in Graz niemand auf der Straße übernachten muss.“