Skip to main content

Was­ser­lei­tun­gen: Graz ist nun „blei­frei“

Arbeiter verbindet Wasserleitungsrohre an Baustelle
© Holding Graz/Droneberger

Sie sind ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten und müssten eigentlich schon komplett verschwunden sein. Dennoch floss bis vor kurzem in manchen Grazer Leitungen noch immer Trinkwasser durch Bleirohre. Ein Faktum, das die Graz Wasserwirtschaft jetzt endgültig beendete.

Bleileitungen wurden ab der ersten Stunde der Wasserversorgung in Graz bis in die 1940er Jahre verwendet, da diese leicht zu verlegen, biegbar und sehr gut haltbar waren. So war bereits der allererste Anschluss am Grazer Trinkwassernetz im Jahr 1872 – Neutorgasse 28, Hr. Josef Sobel, eine Schlosserwerkstatt und zwei Wohnungen – aus Blei hergestellt. Ab den späten 30er Jahren war dann aber die Neuerrichtung von Bleileitungen, da man die gesundheitlichen Auswirkungen erkannte, verboten.

Holding Graz-Vorstand Gert Heigl: „Im Jahr 2000 existierten in Graz jedoch noch immer über 3.000 Bleianschlüsse. Vor dem Hintergrund strengerer Grenzwerte für Trinkwasser wurde in den nachfolgenden Jahren begonnen, im großen Stil Bleianschlüsse zu erneuern. Wir haben über mehrere Jahre bezirksweise ca. 350-400 Stk. Bleianschlüsse pro Jahr getauscht“. Herausforderung bei diesen Erneuerungen war laut Holding Graz immer das Einvernehmen mit den EigentümerInnen der betroffenen Liegenschaften.

Obwohl der weitaus überwiegende Teil der Bleileitungen bis 2013 erneuert war, wurden die letzten Anschlüsse erst jetzt außer Betrieb genommen. Von verbleibenden 10 Bleianschlüssen hat die Holding Graz Wasserwirtschaft jetzt 8 Stück entfernt. Lediglich 2 Anschlüsse konnten (mangels Zustimmung der KundInnen) nicht saniert und auch nicht außer Betrieb genommen werden. Hier wurden die KundInnen offiziell informiert, dass die Holding Graz kein Trinkwasser, sondern nur mehr Nutzwasser liefert.

Trotz aller Anstrengung: Privatleitungen aus Blei in Graz noch möglich

Seitens der Holding Graz Wasserwirtschaft betont man, dass derzeit in Altbauwohnungen noch Bleileitungen eingebaut sind und es daher in den Wohnungen noch sein kann, dass der Blei-Grenzwert nicht eingehalten wird. Das liegt aber nicht im Verantwortungsbereich der Holding Graz. Aber wie erkennen MieterInnen mögliche Bleirohre? Laut den ExpertInnen der Graz Wasserwirtschaft sind diese daran zu erkennen, dass sie generell nicht magnetisch sind. Beim Abklopfen, wozu sich am besten ein metallischer Gegenstand eignet, klingen Bleirohre dumpf. Mit dem Fingernagel oder einem Messer lassen sich Bleirohre leicht einritzen, da Bleileitungen weicher als andere Wasserleitungen aus Kupfer oder Stahl sind. In aller Regel glänzt der entstandene Riss silbern. Ansonsten sollten MieterInnen auch ihre/n VermieterInnen oder die Hausverwaltung fragen, ob noch Bleileitungen im Haus in Betrieb sind.

Gibt der/die VermieterIn keine zufriedenstellende Auskunft, kann eine Analyse des Trinkwassers Klarheit schaffen. Vor der Probenentnahme sollte das Wasser etwa vier Stunden in der Leitung gestanden haben. Eine anerkannte Untersuchungsstelle kann dann den Bleigehalt des Wassers genau bestimmen.

Wasserwirtschaft baut auch 2022 weiter aus

„Damit das Wasser in Graz weiterhin so gut bleibt, investieren wir laufend in die Sanierung und den Ausbau der Infrastruktur sowie in die Erhaltung und den Ausbau der Wasserschutz- und Schongebiete“, erklärt Heigl. Konkret ist zur Erhöhung der Versorgungssicherheit 2022 die Planung zur Sanierung der Transportleitung DN700 von Feldkirchen nach Graz geplant. Ab 2023 starten dann die Arbeiten. Projekte wie dieses seien notwendig, schließlich werden derzeit bereits 60.000 Kubikmeter Wasser pro Tag verbraucht – Tendenz steigend. Mehr als 95 Prozent davon liefert die Holding Graz Wasserwirtschaft. „Dass Österreich bei Wasser ein privilegiertes Land ist, sieht man daran, dass manche von uns sauberes Wasser für selbstverständlich halten“, ergänzt Heigl. Es sei daher eine besondere Verantwortung, dieses kostbare Gut möglichst flächendeckend zur Verfügung zu stellen.

Dass Österreich bei Wasser ein privilegiertes Land ist, sieht man daran, dass manche von uns sauberes Wasser für selbstverständlich halten

Gert Heigl, Vorstandsdirektor Holding Graz

Zahlen und Daten zum Grazer Wasser:

  • Gesamtlänge des Grazer Wassernetzes: 1.400 km
  • Hausanschlüsse in Graz: Mehr als 32.000 KundInnenanlagen
  • Gesamtzahl der versorgten KundInnen: Rund 320.000
  • Das Grazer Wasser kommt aus den Wasserwerken Andritz, Friesach, Feldkirchen und zu rund 25 Prozent aus dem Hochschwabgebiet.
  • In Summe werden 97 Prozent der Bevölkerung mit Wasser versorgt, über 32.000 Liegenschaften sind an das Wasserleitungsnetz angeschlossen.
  • In Graz stehen außerdem 23 Hochbehälter mit einem Gesamtspeichervolumen von 38.300 Kubikmetern zur Verfügung.
  • Pro Kopf verbraucht ein Grazer 130 Liter pro Tag – am meisten geht fürs Duschen und Baden sowie fürs WC und Wäschewaschen drauf.
Wasser spritzt aus Wasserglas
© Unsplash/Andrew Ren