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Erste „Fle­xi­ty“-Tram seit heute un­ter­wegs

© Holding Graz/Foto Fischer

Heute, am 27. Mai 2026, startete in Graz offiziell eine neue Ära des öffentlichen Verkehrs: Mit der Premierenfahrt der ersten Flexity-Straßenbahn geht die modernste Straßenbahngeneration der Stadt erstmals mit Fahrgästen in Betrieb.

Die erste eingesetzte Garnitur trägt den Namen „Theodora“ und ist nach Frau Theodora Acham benannt, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Frau Inge Steiner im Jahr 1988 als erste Straßenbahnfahrerinnen der Graz Linien Geschichte schrieb.

Die neuen Fahrzeuge stehen für mehr Komfort, Barrierefreiheit, Kapazität und Nachhaltigkeit und markieren gemeinsam mit wichtigen Infrastrukturprojekten wie dem zweigleisigen Ausbau der Linie 1 sowie laufenden Maßnahmen im Netz der Graz Linien einen bedeutenden Schritt in der Weiterentwicklung des Grazer Straßenbahnsystems.

Die Flexity-Garnituren wurden speziell für die Anforderungen des Grazer Netzes entwickelt. Mit einer Länge von rund 34 Metern sind sie die längsten Straßenbahnen, die bisher in Graz im Einsatz stehen. Großzügige Mehrzweckbereiche, moderne Fahrgastinformationen, Klimatisierung sowie ein vollständig niederfluriger Innenraum sorgen für ein deutlich verbessertes Fahrgast- und Mobilitätserlebnis.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Barrierefreiheit: Breite Türen, stufenlose Einstiege und großzügige Innenräume erleichtern die Nutzung für Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Fahrrad erheblich. Gleichzeitig erhöhen die neuen Fahrzeuge die Beförderungskapazität und schaffen damit zusätzliche Reserven für das wachsende Fahrgastaufkommen in Graz. Produziert werden die Fahrzeuge im Werk Wien-Donaustadt, womit auch ein wichtiger Beitrag zur österreichischen Industrie geleistet wird.

Einsatzbeginn auf den Linien 4 und 7

Mit der heutigen Premierenfahrt beginnt der schrittweise reguläre Einsatz der neuen Straßenbahnen im Linienbetrieb. Aktuell befinden sich bereits acht Flexity-Garnituren in Graz, die nach und nach in den Fahrgastbetrieb übergehen. Der Einsatzschwerpunkt liegt zunächst auf den stark frequentierten Linien 4 und 7.

Bis Ende des Jahres sollen die restlichen sieben Fahrzeuge der ersten Liefertranche folgen. Ab März 2027 beginnt bereits die Lieferung der nächsten 16 bestellten Fahrzeuge, sodass bis Mitte 2028 insgesamt 31 Flexity-Straßenbahnen in Graz im Einsatz sein werden.

Weitere Fahrzeuge mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Investitionsbank

Im Juni-Gemeinderat soll zudem die Beschaffung weiterer 24 Fahrzeuge beschlossen werden. Die Bestellung ist für Anfang 2027 vorgesehen, die Auslieferung soll ab Ende 2028 erfolgen. Mitfinanziert werden die 24 Garnituren aus Mitteln der Europäischen Investitionsbank (EIB), die öffentliche Mobilitätssysteme als Schwerpunkt der EU-Klimapolitik mit entsprechenden Krediten unterstützt.

Umfangreiches Test- und Zulassungsverfahren

Die Einführung der Flexity-Fahrzeuge basiert auf dem Ziel, die Straßenbahnflotte langfristig zu modernisieren und den öffentlichen Verkehr zukunftsfit zu gestalten. Nach einer europaweiten Ausschreibung fiel die Entscheidung auf den Fahrzeugtyp „Flexity“ des Herstellers Alstom.

In den vergangenen Monaten waren einzelne Fahrzeuge bereits zu Test- und Ausbildungsfahrten in Graz unterwegs. Insgesamt wurden dabei rund 25 Nachtfahrten sowie etwa 1.800 Testkilometer absolviert. Vor dem regulären Einsatz mussten die Fahrzeuge ein umfassendes behördliches Zulassungsverfahren durchlaufen.

Nach Abschluss der technischen Planung durch den Hersteller wurden alle relevanten Systeme geprüft und dokumentiert. Auf dieser Basis erstellte das Unternehmen Arsenal RACE ein Gutachten zur Einreichung bei der Behörde, welches die Grundlage für die Bauartgenehmigung bildete. Diese wurde am 7. Juli 2025 von der Landesbehörde erteilt.

Für die Betriebsbewilligung waren weitere umfangreiche Prüfungen erforderlich, darunter Bremsproben, Tests der elektronischen Sicherheitssysteme, Klimatests sowie Strecken- und Lichtraumprofilprüfungen. Teile dieser Tests wurden sowohl bei den Wiener Linien als auch direkt im Grazer Netz durchgeführt, teilweise mit einer Vollbeladung von rund 22 Tonnen.

Nach erfolgreichem Abschluss aller Prüfungen stellte die Holding Graz am 3. April 2026 den Antrag auf Betriebsbewilligung. Die behördliche Verhandlung dazu fand am 4. Mai 2026 statt.

Neue Stimme für die Grazer Öffis

Mit dem heutigen Tag und den neuen Durchsagen von Simone Koren-Wallis endet in den Fahrzeugen der Graz Linien eine besondere Ära. Rund 30 Jahre lang begleitete die Stimme der ehemaligen ORF-Fernsehmoderatorin Christine Brunnsteiner die Grazerinnen und Grazer durch ihren Alltag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ihre markante und vertraute Stimme prägte Generationen von Fahrgästen und wurde zu einem unverwechselbaren Teil der Graz Linien.

Während bisher sämtliche Durchsagen in einem Tonstudio aufgenommen werden mussten, ermöglicht die neue Lösung eine flexible und effiziente Erstellung der Ansagen. Dazu wurde die Stimme von Simone Koren-Wallis im Rahmen eines umfangreichen Projekts digital erfasst. In rund 40 Stunden Studioarbeit wurden tausende Sätze aufgenommen, um eine hochwertige und vielseitig einsetzbare Sprachbasis zu schaffen.

Verbesserte Durchsagen mit weniger Aufwand

Das Ergebnis ist ein gleichmäßiges und klares Klangbild über alle Durchsagen hinweg. Gleichzeitig bleibt die Stimme menschlich, sympathisch und durch ihre typische Grazer Sprachfärbung vertraut. Die digitale Umsetzung ermöglicht es künftig, neue Haltestellen oder geänderte Informationen rasch und ohne großen technischen Aufwand einzupflegen. Auch zusätzliche Hinweise, etwa zu Sicherheit oder aktuellen Betriebsinformationen, können kurzfristig und flexibel erstellt werden und müssen nicht mehr eigens eingesprochen werden.

Ein besonderer Fokus lag auf der Verständlichkeit: Sprachtempo und Betonung wurden gezielt so abgestimmt, dass die Ansagen auch in vollen Fahrzeugen und während der Fahrt gut hörbar sind. Bei Bedarf können diese Merkmale weiter angepasst werden, um eine optimale Verständlichkeit sicherzustellen. Die Durchsagen erfolgen weiterhin in Deutsch und Englisch, jedoch erstmals mit derselben Stimme für beide Sprachen. Das sorgt für ein einheitliches und wiedererkennbares Klangbild.

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit internationalen Vorbildern

Bei diesem Projekt orientiert sich die Holding Graz an etablierten internationalen Beispielen, etwa den Wiener Linien oder der Deutschen Bahn. Technischer Partner bei der Umsetzung war die Acapela Group.

Die Einführung der neuen digitalen Stimme stellt eine zukunftssichere und nachhaltige Weiterentwicklung der Fahrgastinformation dar.

Technische Eckdaten der Flexity-Garnituren (Alstom)

  • Kapazität: bis zu 200 Fahrgäste
  • Zwei Rollstuhlplätze sowie großzügige Multifunktionsbereiche
  • Fünfteiliges Multigelenksfahrzeug mit durchgehend stufenlosem Innenraum
  • Nahezu vollständige Barrierefreiheit (ca. 100 %)
  • Optimiert für hohen Fahrgastwechsel und hohe Transportkapazität
  • Einstiegshöhe: 215 mm, abgestimmt auf 110 mm-Bahnsteighöhen in Graz

 

 Vergleich der in Graz eingesetzten Straßenbahnen

Fahrgastkapazität

  • Flexity von Alstom: 200 Personen
  • Variobahn: 145 Personen
  • Cityrunner: 142 Personen

Stehplätze

  • Flexity von Alstom: 140
  • Variobahn: 98
  • Cityrunner: 90

Sitzplätze

  • Flexity von Alstom: 60
  • Variobahn: 47
  • Cityrunner: 52

Fahrzeuglänge

  • Flexity von Alstom: 33,81 m
  • Variobahn: 27,47 m
  • Cityrunner: 27,00

Fahrgastdoppeltüren

  • Flexity von Alstom: 6
  • Variobahn: 4
  • Cityrunner: 4

Anzahl der Fahrwerke

  • Flexity von Alstom: 3
  • Variobahn: 3
  • Cityrunner: 3

Anzahl der Räder

  • Flexity von Alstom: 12
  • Variobahn & Cityrunner: 12

 

Bürgermeisterin Elke Kahr: „Die neuen Straßenbahnen bieten eine hohe Qualität für unsere Fahrgäste und für die Fahrer. Hervorzuheben ist der gewissenhafte Ausschreibungs- und Testprozess: Auch wenn er Zeit gekostet hat, eine solche ‚Rüttelstrecke‘ braucht es, um unliebsame Überraschungen zu verhindern. Schließlich ist es eine Investition für Jahrzehnte.“

Vizebürgermeisterin Judith Schwentner: „Die neuen Flexity-Straßenbahnen sind ein Meilenstein für Graz. Unsere Stadt wächst, und deshalb muss auch der öffentliche Verkehr konsequent mitwachsen. Mit der Neutorlinie haben wir bereits ein zentrales Projekt umgesetzt, der zweigleisige Ausbau der Linie 1 läuft, und mit der Linie 8 planen wir bereits den nächsten großen Ausbau. Wir entscheiden uns damit bewusst heute für die Stadt von morgen: mit mehr Öffis, mehr Lebensqualität und mehr Platz für die Menschen.“

Finanz- und Beteiligungsstadtrat Manfred Eber: „Mit den neuen Flexity-Straßenbahnen verbessern wir das Öffi-Angebot für viele Menschen in Graz. Moderne Fahrzeuge mit mehr Platz und ein barrierefreier Einstieg sorgen dafür, dass man im Alltag gut und verlässlich durch die Stadt kommt. Gleichzeitig ersetzen wir alte Garnituren, die nach jahrzehntelangem Einsatz ausgedient haben.“

Holding Graz-CEO Gert Heigl: „Die Holding Graz setzt derzeit neben der laufenden Straßenbahnbeschaffung so viele Infrastruktur-Großprojekte wie noch nie gleichzeitig um. Ob öffentlicher Verkehr, Energie- und Wasserversorgung, Abwasserentsorgung oder Abfallwirtschaft – wir investieren konzernübergreifend und mit langfristiger Perspektive in die Zukunft dieser Stadt. Mit Investitionsvorhaben im Ausmaß von bis zu 1,5 Mrd. € schaffen wir die Grundlage dafür, dass Graz auch in den kommenden Jahrzehnten lebenswert, klimafreundlich und wirtschaftlich stark bleibt. Diese Projekte sichern die Versorgung, stärken den Klimaschutz und erhöhen nachhaltig die Lebensqualität für die Grazerinnen und Grazer.“

Holding Graz-Vorstand Mark Perz: „Mit der heutigen Premierenfahrt der neuen Flexity-Straßenbahn beginnt in Graz eine neue Ära des öffentlichen Verkehrs. Diese Fahrzeuge stehen für das, was modernen Nahverkehr ausmacht: mehr Kapazität, konsequente Barrierefreiheit, höchsten Fahrgastkomfort und nachhaltige Mobilität für eine wachsende Stadt. Mit der schrittweisen Inbetriebnahme setzen wir einen wichtigen Meilenstein in der Weiterentwicklung unseres Straßenbahnnetzes und schaffen die Grundlage dafür, dass der öffentliche Verkehr auch in Zukunft zuverlässig, leistungsfähig und attraktiv bleibt – für alle Generationen in Graz.“

Holding Graz-Zentralbetriebsratsvorsitzender Horst Schachner: „Ich bin stolz darauf, dass mit dem Flexity in moderne und zukunftsfitte Straßenbahnen für Graz investiert wurde. Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet das, künftig mit hochmodernen Garnituren unterwegs zu sein, die den Arbeitsalltag erleichtern und gleichzeitig mehr Komfort und Sicherheit bieten. Besonders wichtig ist auch, dass wir in Zukunft nur noch zwei Fahrzeugtypen im Einsatz haben werden – das vereinfacht viele Abläufe in Betrieb, Wartung und Schulung und bringt insgesamt mehr Erleichterung für den gesamten Straßenbahnbetrieb.“

 

© Holding Graz/Foto Fischer
© Holding Graz/Foto Fischer