PV-Masterplan: Erfolgreiche Zwischenbilanz

Die Stadt Graz präsentierte als erste österreichische Stadt einen umfassenden Klimaschutzplan mit dem klaren Ziel, bis 2030 klimaneutral zu werden. Ein zentraler Bestandteil davon ist der Photovoltaik-Masterplan, in dem für den Zeitraum 2024 bis 2026 insgesamt mehr als 50 geeignete Standorte für neue PV-Anlagen identifiziert wurden. Der PV Masterplan hat zum Ziel, bis 2030 mehr als 30 Prozent des Stroms, der im Haus Graz benötigt wird, mit eigenen PV-Anlagen zu erzeugen.
Dafür sollen in dem Programm, das im Auftrag von Stadt Graz und Holding Graz von der Energie Graz und der GBG betreut wird, im ersten Umsetzungspaket Erzeugungsanlagen von ca. 26 MWp errichtet werden.
Der Schwerpunkt liegt dabei ausdrücklich auf Dach- und bereits versiegelten Flächen. Neben zahlreichen kleineren und mittelgroßen PV-Installationen auf Gebäuden der Stadt und der Holding Graz sind auch mehrere großflächige Aufdachanlagen vorgesehen. Insgesamt wurden bereits 220 städtische Gebäude begutachtet. Ca. 60 Dachflächen sind geeignet, bei ca. 160 Gebäuden ist eine Umsetzung aufgrund von mangelnder Statik des Daches, Beschattung, Dachfenster, Flächenverteilung u.a. aktuell nicht möglich.
21 Anlagen fertig gestellt, 14 Anlagen in Umsetzung
Blickt man auf die bisher umgesetzten Projekte, so fällt die Bilanz durchaus positiv aus: Insgesamt konnten 21 Anlagen (1 Flughafen, 4 Holding, 16 Stadt Graz) mit rd. 1.400 kWp fertig gestellt werden, 14 Anlagen (10 Holding und 4 Stadt Graz) mit rd. 1.900 kWp werden gerade fertiggestellt bzw. gehen demnächst ans Netz. Die Gesamtleistung aller 35 Anlagen beträgt rd. 3.300 kWp.
Zwei Großanlagen der Abfallwirtschaft gehen in Betrieb
Mit der erfolgten Fertigstellung der Photovoltaikanlagen am Neufeldweg und in der Maggstraße konnten zwei weitere PV-Großanlagen des PV-Masterplans Haus Graz erfolgreich umgesetzt werden. Die neue 1.907 m² große Photovoltaikanlage auf dem Dach der Holding Abfallwirtschaft beim Neufeldweg (auf Recyclinghalle und Splithalle) kann ein Äquivalent von mehr als 150 Grazer Haushalten (Durchschnittsverbrauch 2.800 Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a)) versorgen. Dies entspricht einer CO₂-Einsparung von rund 80 Tonnen jährlich.
Erste Freiflächen-Photovoltaik Anlage auf Altdeponie Köglerweg fertiggestellt
Eine Premiere stellt die 2.145 m² große Photovoltaikanlage auf der Freifläche (Altdeponie Köglerweg) in der Maggstraße dar. Es handelt sich dabei um die erste Anlage, die im Rahmen des Masterplans auf einer Freifläche umgesetzt werden konnte. Sie kann ein Äquivalent von knapp 200 Grazer Haushalten versorgen. Dies entspricht einer CO₂-Einsparung von rund 100 jährlich.
Weitere Anlagen vor Fertigstellung
Bis Jahresende 2025 werden weitere Projekte bspw. in der Sturzgasse finalisiert. Zudem gehen an den Standorten der Holding Graz Wasserwirtschaft die Anlagen in der Wasserwerkgasse, bei der Kläranlage in Gössendorf sowie auf vier Hochbehältern im ersten Quartal 2026 ans Netz.
Bis 2027: 18 weitere konkrete Projekte in Planung
In den kommenden zwei Jahren werden insgesamt weitere 18 Standorte mit Photovoltaik-Anlagen unterschiedlichster Dimension ausgerüstet. Neben der Freiflächenanlage am Flughafen werden weitere 6 Anlagen im Bereich der Holding und 11 Anlagen im städtischen Bereich errichtet. Die Leistung dieser 53 Anlagen beträgt am Ende bereits rd. 20.300 kWp.
Auf den 51 Dachanlagen können PV-Anlagen mit einer Leistung von 3.800 kWp oder ca. 17% der gesamten im ersten Umsetzungspaket geplanten Leistung errichtet werden. Daran sieht man, dass die Dachflächen nicht ausreichen, um einen substanziellen Beitrag für eine nachhaltige, saubere Energiezukunft zu leisten. Daher müssen auch Freiflächenanlagen – unter Berücksichtigung wesentlicher anderer Nutzungsinteressen und des Naturschutzes – geprüft werden.
Großer Schritt für PV-Anlage am Flughafen
Die bedeutendste Einzelmaßnahme ist die PV-Anlage am Flughafen Graz. Mit mehr als der Hälfte der Gesamtleistung des Masterplans stellt sie das größte Projekt dar. Auf einer Fläche von rund 16,5 Hektar soll in der ersten Ausbaustufe eine Anlagenleistung von etwa 16.000 kWp sowie ein Batterie-Großspeichersystem errichtet werden. Die Investitionskosten werden ca. 24 Mio. EUR betragen. Dafür werden rund 11 Prozent der Flächen des Flughafens genutzt.
Bei der Planung stehen die besonderen sicherheitsrelevanten, technischen und naturschutzrechtlichen Anforderungen eines Flughafenstandorts im Mittelpunkt, um einen reibungslosen und sicheren Betrieb zu gewährleisten. Im Zuge der Machbarkeitsstudie wurden bereits mehrere umfassende Fachgutachten erstellt – darunter zu den Themen Blendwirkung, Radar, rechtliche Rahmenbedingungen, Naturschutz sowie Kampfmittelsondierung. Diese Untersuchungen bilden die Grundlage für die juristischen und technischen Anforderungen, die für die behördlichen Genehmigungsverfahren notwendig sind.
Wichtiger Beschluss im Grazer Gemeinderat
Die technischen und energiewirtschaftlichen Vorarbeiten für die geplante PV-Freiflächenanlage wurden von den Energiespezialist:innen der Holding Graz, des Flughafens Graz, der Energie Graz sowie ihrem Tochterunternehmen, der WDS Wärmedirektservice der Energie Graz durchgeführt. Zusätzlich wurde in diesem Zusammenhang inzwischen auch die Planung des erforderlichen Netzanschlusses an die Umspannstation Zettling bei der Energienetze Steiermark GmbH in Auftrag gegeben.
Mit dem vorliegenden einstimmigen Planungsbeschluss im Gemeinderat wurden nun Investitionsmittel in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro genehmigt, um die weitere Detailplanung der ersten Ausbaustufe der PV-Freiflächenanlage am Flughafen Graz nach Abschluss der Machbarkeitsstudie voranzutreiben. Dies ist notwendig, um die technische Realisierung zu konkretisieren und die Voraussetzungen für eine valide Gesamtkostenkalkulation zu schaffen.
Preisstabilität und höher Planungssicherheit durch PV-Strom für Graz
Die Umsetzung des PV Masterplans garantiert dem Haus Graz eine bessere Preisstabilität und eine höhere Planungssicherheit auf dem weiterhin stark volatil bleibenden Strommarkt. Darüber hinaus wird durch die Planung und die Installation der PV-Anlagen vor Ort der regionale Arbeitsmarkt gestärkt.
Im ersten Umsetzungspaket von 2024 bis 2026 werden rund 35 Millionen Euro in saubere, CO2-freie Energie investiert. Damit kann rund ein Drittel des Strombedarfs für Straßenbahnen, Schulen, Kindergärten, Betriebsgebäude der Abfallwirtschaft, Wasserwirtschaft u.v.m. bis 2027 abgedeckt werden. Zudem ergeben sich mit dem ersten Ausbaupaket Einsparungen von ca. 6.800 Tonnen CO2 -Emissionen. Dies entspricht einer Reduktion der CO2-Emissionen des Hauses Graz von 14 Prozent.
Vizebürgermeisterin Judith Schwentner: „Der Masterplan Photovoltaik ist ein echter Erfolg: Allein im Jahr 2025 haben wir damit die bestehende PV-Leistung der Stadt fast verdoppelt – und das ist erst der Anfang. Wir bauen weiter aus, denn es geht um sauberen und unabhängigen Strom für unsere Schulen, öffentlichen Gebäude und Straßenbahnen. Graz zeigt, wie Energiewende konkret geht.“
Finanz- und Beteiligungsstadtrat Manfred Eber: „Mit der neuen Photovoltaik-Anlage am Flughafen Graz setzen wir einen wichtigen Schritt, um unsere Stadt unabhängiger vom Energiemarkt zu machen. Wir nutzen vorhandene Flächen sinnvoll und erzeugen dort dauerhaft sauberen Strom. Das Projekt ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich vernünftig: Abhängig von der Entwicklung der Energiepreise kann sich die Investition in einem überschaubaren Zeitraum von rund 15 Jahren amortisieren. Danke an alle, die dieses Vorhaben möglich machen.“
Alice Loidl, künftige Vorständin Holding Graz: „Die neuen PV-Anlagen auf dem Dach der Holding Abfallwirtschaft beim Neufeldweg auf der Recyclinghalle und der Splithalle sowie jene auf der Freifläche in der Maggstraße sind ein weiterer Meilenstein, um in Graz die Abhängigkeit von fossiler Energie zu verringern“.
Energie Graz-Geschäftsführer Boris Papousek: „Diese positive Zwischenbilanz zeigt, dass wir gemeinsam bereits spürbare Fortschritte erzielen. Wir bringen unsere Erfahrung mit PV-Anlagen ein, um die Umsetzung effizient voranzutreiben und langfristige Versorgungssicherheit sowie Preisstabilität für das Haus Graz zu schaffen. Dazu werden wir im kommenden Jahr eine Reihe weiterer Standorte, sowohl im Haus Graz als auch von Dritten, evaluieren und entwickeln.“